Musik im Unterricht: ja oder nein?

Während der Ausbildungen werde ich oft von Teilnehmern gefragt, ob man im Anusara Musik verwendet darf. Die Frage finde ich nicht ganz korrekt gestellt, denn alles was wir im Unterrichten tun oder verwenden, sollte der Frage WARUM standhalten und keinen Dogmen oder Regeln folgen. Wir sollten in Eigenverantwortung für uns prüfen, warum wir unterrichten wie wir unterrichten und warum wir bestimmte Tools verwenden oder eben nicht.

Ich liebe Musik. Sie kann Atmosphäre schaffen, Botschaften unterstreichen und den Raum halten. Warum ich trotzdem meist ohne Musik unterrichte? Wie gesagt trägt Musik eine zusätzliche Botschaft. Im Unterricht möchte ich Reize von aussen auf ein Minimum reduzieren. Das Anusara Yoga hat eine komplexe Struktur. Neben der Sequenz, den Prinzipien der Ausrichtung, wird auch ein Thema verwoben, dass bestimmte Qualitäten in die Stunden und den Körper bringt und einen unmittelbaren Bezug zu der Philosophie des Yogas aufweist. Daher spreche ich meist schon recht viel, auch wenn ich hier ebenfalls an Präzision arbeite, so dass ich dies  nicht im Übermaß tue. Ansagen haben zum Teil eine Dichte aus Ausrichtung und Qualität, die den Fokus des Schülers verlangt. Ich möchte also die volle Aufmerksamkeit des Schülers, so dass ich ihn optimal unterstützen kann. Meine Absicht ist, diese Aufmerksamkeit in den Erfahrungs-Körper zu lenken, so dass der Schüler in nahen Kontakt zu sich selbst kommt und sein Yoga von innen nach außen erfährt.

Ich entscheide also: ist Musik dieser Intention zuträglich? Wenn ja, dann kann der Lehrer gezielt und bedacht mit Musik arbeiten. Wenn nicht, dann sollte Musik nicht zu einer Gewohnheit werden, die dem WARUM vielleicht nicht standhält.